EIN MÄRCHEN VON MARY’S FAIRYLAND
Das Regenkonzert an der gelben Tür
Lulu verspricht Pip ein Regenkonzert mit trockenem Schwanz. Doch unter ihrem ersten Dach bleiben auch die Instrumente trocken.
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Ein Versprechen vor dem Regen
Das erste Zeichen für Regen war kein Tropfen. Es war ein Buchenblatt. Es drehte seine helle Seite zum Himmel. Lulu bemerkte es, als sie die kleine Stufe vor der gelben Tür fegte. Weit unten, zwischen den Wurzeln der Alten Eiche, trug Pip einen Krümel. Er war fast so groß wie seine Nase.
„Regen“, sagte er. Er schob den Krümel unter seinen blauen Schal. „Ausgerechnet jetzt. Mein Krümel soll trocken bleiben.“ Lulu beugte sich über die Stufe. „Ich mag das Geräusch auf den Blättern.“ „Du kannst es ja von drinnen mögen“, sagte Pip. „Ich bleibe auch drinnen. Ganz weit drinnen.“
Lulu legte ihren Zweigbesen hin. Beim letzten Regen hatte Pip das leise Klopfen vor ihrer Tür verpasst. Sein Zuhause lag tief unter einer Wurzel. Dort hörte er fast nichts. Lulu hatte ihm davon erzählen wollen. Aber „ein schönes kleines Plipp“ hatte nicht besonders viel erklärt.
„Was wäre, wenn du den Regen hören könntest, ohne nass zu werden?“, fragte sie. Pip sah hoch. „Auch mein Schwanz?“ „Auch dein Schwanz.“ Er legte seinen Krümel auf die trockene Stufe. „Dann bleibe ich vielleicht ein Weilchen.“ Lulu hatte etwas versprochen. Jetzt brauchte sie einen Platz dafür.
Drei kleine Klänge
Sie suchten ganz in der Nähe der Eiche. Pip fand ein leeres Eichelhütchen. Die kleinen rauen Schuppen saßen noch ordentlich an seinem Rand. Lulu fand ein dünnes Stück abgefallene Rinde. Ein Ende bog sich von selbst nach oben. Neben dem Weg lag ein flacher grauer Stein. Er war nicht größer als Pips Pfote.
„Kochen wir Suppe?“, fragte Pip. „Steinsuppe mag ich, glaube ich, nicht.“ „Wir suchen uns Klänge aus“, sagte Lulu. An einem niedrigen Farn zitterte ein Tropfen vom Vortag. Sie hielt das Eichelhütchen darunter. Plock. Pip stellte die Ohren auf. „Das klingt, als würde jemand in einen großen Stiefel fallen.“
Ein anderer Tropfen landete auf dem Stein. Tick. Auf der Rinde machte er ein leises Tupp. Lulu probierte es noch einmal. Plock. Tick. Tupp. Pip vergaß, zu den Wolken zu schauen. „Das Hütchen ist am lautesten“, sagte er. „Die Rinde klingt, als wollte sie niemanden wecken.“
Sie trugen die drei Dinge zum Fuß der Leiter. Dann sammelten sie vier abgefallene Zweige, ein Stück Schnur aus Lulus Korb und drei breite Buchenblätter. Pip betrachtete ein Blatt. „Unser Dach?“ „Unser Dach“, sagte Lulu. Er zog den Schwanz an die Füße. „Mach es hinten ein kleines bisschen länger.“
Ein sehr trockenes Konzert
Sie klemmten die Zweige zwischen kleine Steine. Dort war der Boden fest. Oben lagen zwei schmale Querzweige in den Astgabeln. Lulu band die Verbindungen fest. Pip zog an jedem Knoten. Dächer nahm er sehr ernst. Dann legten sie die Blätter darüber. Immer ein Rand lag über dem nächsten.
Unter das kleine Dach legten sie ein trockenes Stück Rinde als Bank. Daneben stellten sie das Eichelhütchen, den Stein und den Rindenstreifen. Es war Platz für Pip, seinen Schwanz und den Krümel. Lulu passte auch noch hinein. Eine Wolke schob sich vor die Sonne. Etwas Kühles berührte das oberste Blatt.
Patt. Noch ein Tropfen folgte. Patt-patt. Pip grinste. Nichts tropfte auf seine Nase. Nichts tropfte auf seinen Schal. Dann betrachtete er ihre drei Instrumente. Auf die tropfte auch nichts. Das Hütchen wartete. Der Stein wartete. Die Rinde wartete. „Ein sehr leises Konzert“, sagte Pip höflich.
Lulu schaute auf das trockene Eichelhütchen. Sie hatte ein Dach gebaut, das den Regen von allem fernhielt. Eben hatte sich das noch genau richtig angefühlt. „Die Musik steht am falschen Platz“, sagte sie. Draußen sammelte sich Wasser an einem Blattrand. Ein heller Tropfen hing daran und wurde immer schwerer.
Ein Platz für jeden Tropfen
„Warte“, sagte Pip. Mit einer Pfote zeigte er auf den hängenden Tropfen. „Der fällt gleich dorthin.“ Er schob das Eichelhütchen knapp unter dem Dach hervor. Plock. Lulu lachte so plötzlich, dass sie gegen die Bank stieß. Pip legte den Stein unter eine andere Blattspitze. Tick. Für die Rinde fanden sie einen dritten Platz.
Jetzt waren die Klänge draußen und die Zuhörer drinnen. Aber die drei Tropfen fielen fast gleichzeitig. Plock-tick-tupp. Danach war es lange still. Beim Warten wippte Pip mit den Füßen. „Vielleicht hat der Regen vergessen, wie es weitergeht.“ Lulu beobachtete das kleinste Blatt. Sein Tropfen war noch winzig.
Sie rückte das Blatt ein wenig zurecht. Nun lief mehr Wasser zu seiner Spitze. Pip schob die Rinde unter die neue Tropfstelle. Plock. Tupp. Tick. Die Klänge kamen jetzt zu verschiedenen Zeiten. Ganz ordentlich waren sie nicht. Manchmal sprach der Stein zweimal. Manchmal fiel ihm das Hütchen ins Wort. Das gefiel Pip am besten.
Ein Windstoß hob das vordere Blatt an. Lulu hielt es fest. Pip schlang das lose Ende der Schnur um einen Querzweig. Dann prüften sie den trockenen Fleck unter der Bank. Pip streckte seinen Schwanz darauf aus. Es war noch Platz. „Gut“, sagte er. „Die Zuhörer sitzen bequem.“
Der Wald spielt mit
Der Schauer wurde ein wenig stärker. Kleine Wasserläufe wanderten über die raue Eichenrinde. Der Regen klickte auf alten Blättern und rauschte leise im Farn. Neben der Bank antwortete das Eichelhütchen mit einem fröhlichen Plock. Pip hatte seinen Krümel fast aufgegessen, als sich der Klang veränderte. Plipp. Plipp. „Unser lautes Instrument klingt anders“, sagte er.
Das Hütchen füllte sich mit Wasser. Jeder neue Tropfen fiel in eine kleine Pfütze statt auf den Boden aus Holz. Lulu leerte es aus. Kurz klang es wieder richtig. Dann wurde es erneut voll. „Wir können es nicht das ganze Konzert lang ausleeren“, sagte sie. Pip dachte an seinen Krümel. Er hatte schon zwei Bissen verpasst.
Er holte zwei Steinchen neben der Leiter. Gemeinsam stellten sie das Hütchen leicht schräg dazwischen. Jetzt floss überschüssiges Wasser über den niedrigen Rand ab, von ihren Füßen weg. Sie warteten. Plock. Pip setzte sich ganz vorsichtig. „Ich glaube“, sagte er, „jetzt können wir zuhören.“
Irgendwo zwischen den Wurzeln klang ein leises Klopf-klopf. Eine andere Tür antwortete mit Tapp-tapp-tapp. Jemand spielte mit einem Holzlöffel mit. Lulu hörte zu und sagte nichts. Der Regen hatte ihr kleines Konzert ziemlich groß gemacht. Auch Pip lauschte. Zum ersten Mal fragte er nicht, wann der Schauer aufhören würde.
Noch ein Platz
Der Schauer ließ nach. Der Farn rauschte nicht mehr. Ein letztes Tick klang auf dem Stein. Dann kam noch ein spätes Plock vom Hütchen. Pip wartete mit aufgestellten Ohren. „Ist das das Ende?“ Ein Tropfen fiel vom obersten Blatt. Tupp. „Jetzt schon“, sagte Lulu.
Sie blieben auf der Bank sitzen. Um sie herum wurde der Wald still. Über der Leiter begann Lulus kleine Lampe unter ihrem Eichelhütchen zu leuchten. Ihr Licht berührte die gelbe Tür und ein kleines Stück Moos. Dahinter wurde alles langsam blau. Pip streckte eine Pfote in die Luft. Sein Schal war trocken. Sogar die äußerste Spitze seines Schwanzes war trocken.
„Wir könnten die Instrumente wegräumen“, sagte Lulu. Pip sah die drei Blätter an. An ihren Rändern hing noch Wasser. Dann betrachtete er das übrige Stück Rinde neben der Leiter. „Oder wir machen noch einen Sitzplatz.“ Er half ihr, die Rinde unter das Dach zu schieben. Auf der Stufe über ihnen standen plötzlich zwei winzige Tassen. Jemand aus der Nachbarschaft hatte warmen Beerentee gebracht.
Pip trug eine Tasse hinunter. Er setzte sich so, dass er die Blattspitzen sehen konnte. „Fürs nächste Mal“, sagte er. Draußen warteten die drei Instrumente. Drinnen warteten die beiden Sitzplätze. Die gelbe Tür stand einen Spalt offen. Sie ließ das letzte Geräusch des Abends ins Haus: eine kleine Maus, die etwas summte, das ungefähr plock, tick, tupp ging.
Mit KI erstellt und automatisch geprüft. Gemeinsames Lesen wird empfohlen.

